Haus mit Lupe


Klaus Lübbers

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Die Entsorgung von asbesthaltigem Baumaterial führt regelmäßig zu erhöhten Kosten.

 

Asbestbelastung bei Faserzementplatten wird häufig unterschätzt


Faserzement ist ein Verbundwerkstoff und besteht aus mit Fasern armiertem Zement. Bis vor wenigen Jahren wurde für die Herstellung auch Asbest verwendet (Asbestzementplatten). Man findet Asbestzementplatten bei ebenen oder gewellten Faserzementplatten z.B. als Dacheindeckung oder Fassadenverkleidung.



Dacheindeckung mit Wellfaserzementplatten

Daneben gibt es z.B. auch Vinyl Asbest-Platten, die häufig mit einem asbesthaltigen Kleber angebracht wurden. In den neuen Bundesländern wurde zudem häufig Morinol-Fugenkitt verwendet, der bei Plattenbauten in die Betonfugen eingefügt worden ist. Bei Asbestzementplatten können aufgrund von Alterung, Erschütterung, thermischer Wechselbeanspruchung, Luftbewegung oder Beschädigung Asbestfasern in atembarer Form freigesetzt werden. Umgangssprachlich werden Faserzementplatten häufig auch als „Ethernitplatten“ bezeichnet. Eternit ist jedoch lediglich der Produktname des gleichnamigen Herstellers für Faserzementprodukte.


Krankheitsbild


Eine akute toxische Wirkung geht von Asbest nicht aus. Die Inhalation des Feinstaubs führt jedoch langfristig zu chronischen Beschwerden (Entstehung von Narbengewebe, Asbestose oder Krebs). Die Inkubationszeit, d.h. der Zeitraum zwischen der Infektion (Einatmung des Feinstaubs) und dem Auftreten der ersten Symptome, liegt bei asbestfaserbedingten Tumoren zwischen 10 und 60 Jahren.


Erkennung


Asbesthaltiges Baumaterial ist augenscheinlich nur schwer erkennbar. Typische Merkmale sind eine graue Farbe und eine faserige Struktur. Ein weiteres Merkmal ist der Herstellungszeitraum der Gebäude bzw. der Bauteile. Bei der augenscheinlichen Betrachtung besteht jedoch die Gefahr, Asbest mit später verwendeten Ersatzstoffen wie Glasfasern, Gesteinsmehl-Platten oder Mineralfasern zu verwechseln. Zudem wurden zu späterer Zeit auch asbestfreie Materialien unter dem Markennamen „Eternit“ vertrieben.


Gesetzliche Regelungen


Die Nutzung von Asbest ist in der EU verboten (in Deutschland seit etwa 1993). Asbesthaltige Materialien sind nach dem Europäischen Abfallkatalog (in Deutschland Abfallverzeichnis-Verordnung) als gefährlicher Abfall eingestuft. Neben Asbestzementplatten gehören zu der Asbest-Abfallgruppe auch Asbesthaltige Abfälle aus der Elektrolyse, Abfälle aus der Asbestverarbeitung, Asbesthaltige Abfälle aus der Herstellung von Asbestzement, Asbesthaltige Bremsbeläge, Gebrauchte Geräte, die freies Asbest enthalten, Dämmmaterial, das Asbest enthält und Asbesthaltige Baustoffe.

 

Asbestzementprodukte unterliegen grundsätzlich zunächst keiner besonderen Gefahrenbewertung. Allerdings sind mechanische, stauberzeugende und staubfreisetzende Bearbeitungen oder Beschädigungen grundsätzlich untersagt. Sie dürfen nur unter Beachtung der gesetzlichen Vorschriften durch sachkundige, ausgebildete und geprüfte Personen oder Firmen durchgeführt werden. Dies umfasst z.B. auch die Dampfstrahlreinigung von Dacheindeckungen und Fassadenplatten oder das Schleifen oder Anbohren von Ausbauplatten im Innen- und Außenbereich.


In Deutschland ist der Umgang mit asbesthaltigen Materialien in den Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS 519) geregelt. Danach dürfen Asbestsanierungen und Asbestentsorgungen nur von Firmen ausgeführt werden, die über die notwendige Zulassung gemäß § 39 Gefahrstoffverordnung verfügen (Nachweis der Sachkunde, Geräteausstattung). Darüber hinaus sind weitere Bundes-, Landes- und kommunale Vorschriften zu beachten. Ebenso müssen die Arbeiten dem Gewerbeaufsichtsamt gemeldet werden und unterliegen vollständig dem gewerblichen und privaten Haftungsrecht sowie der Gefahrstoffverordnung.


Dies bestätigt u.a. auch ein vom Amtsgericht Lingen in 2010 ergangenes Urteil, bei dem ein 37-jähriger Unternehmer zu 120 Tagessätzen je 40 € verurteilt worden ist, weil er die beim Abbruch eines Kasernengebäudes vorhandenen Asbestplatten unsachgemäß abgebaut und gelagert hat um Kosten zu sparen. Zudem waren seine Mitarbeiter nicht mit der vorgeschriebenen Schutzkleidung ausgestattet worden und es wurden diverse Asbestfragmente unsachgemäß auf dem Baugelände gelagert.


Leider werden vergleichbare Arbeiten häufig auch im Privatbereich vorgenommen. Dies kann Beeinträchtigungen Dritter zur Folge haben und ggf. Schadensersatzansprüche auslösen.


Kosten der Sanierung und Entsorgung


Die Durchführung von Asbestsanierungen ist sehr aufwendig, da Beschädigungen an den asbesthaltigen Materialien und damit der Freisetzung des Feinstaubs vermieden werden müssen. Daher werden die Gebäude zunächst staubdicht von der Umgebung abgeschottet und im Innenbereich ein Unterdruck aufgebaut. Zudem dürfen die Gebäude nur über Schleusensysteme betreten und verlassen werden.


Die Kosten für eine Asbestsanierung oder eine Asbestentsorgung werden üblicherweise nach der Größe der abgebauten Fläche berechnet. Sie umfassen die Kosten für die Demontage, den Transport, der Einholung gesetzlicher Nachweise und die Deponiegebühren. Der Abbau von flachen Asbestzementplatten ist meist teurer als die Demontage von gewellten Asbestzementplatten. Hingegen haben die Lage der Asbestzementplatten (Dach oder Fassade) oder die Größe der Einzelplatten (Groß- oder Kleinformat) kaum einen Einfluss auf die Höhe der Kosten. Zu beachten ist, dass neben den Asbestzementplatten ggf. auch die Unterkonstruktion zu entsorgen ist.


Deponierung


Bisher konnte noch kein mechanisches, thermisches, chemisches oder sonstiges technisches Verfahren entwickelt werden, mit dem asbesthaltiges Material vollständig entsorgt werden kann. Daher werden asbesthaltige Abfälle bis heute über DK I- oder DK II-Deponien (Hausmülldeponien) entsorgt. Dabei werden die in speziellen Gewebesäcken (Big Bags) verpackten asbesthaltigen Abfälle gelagert und mit mineralischem Material abgedeckt, so dass keine Faserfreisetzung mehr möglich ist. Im Landkreis Emsland wird die Deponierung auf den Zentraldeponien in Dörpen und Venneberg durchgeführt. Die Deponiegebühren betragen ca. 110 €/t.







 

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